Was sich gegenüber der alten Ausbildung geändert hat
Die Praktische Tätigkeit der PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiA) war im alten System berüchtigt, denn sie bedeutete Vollzeitarbeit in Kliniken, oft ohne oder mit nur symbolischer Vergütung, und die Ausbildung selbst kostete obendrein Geld. Das war einer der Hauptgründe für die Reform.
Heute steht die Approbation am Ende des Studiums, und wer die Weiterbildung beginnt, ist deshalb bereits approbiert und arbeitet als angestellte Fachkraft mit regulärem Arbeitsvertrag.
Warum über E13 und E14 gestritten wird
Wo der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) gilt, richtet sich das Gehalt nach der Eingruppierung in eine Entgeltgruppe, und bei PiW ist diese Eingruppierung umstritten.
Nach unserem Kenntnisstand haben die kommunalen Arbeitgeber (VKA) 2023 per Rundschreiben empfohlen, PiW in die Entgeltgruppe 13 einzugruppieren, und das lässt sich über die verlinkten Quellen nicht direkt belegen. DPtV und ver.di fordern die Entgeltgruppe 14, weil die Entgeltordnung approbierte Psychologische PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen (KJP) einheitlich der E14 zuordnet und wer in Weiterbildung ist, bereits approbiert ist. Für fertige FachpsychotherapeutInnen fordern beide inzwischen die E15, analog zum Facharztstatus.
Welche Entgeltgruppe für dich gilt, steht in deinem Arbeitsvertrag.
Was E13 und E14 in Euro bedeuten
Die Tabelle zeigt die Bruttomonatsgehälter bei Vollzeit (39 Stunden) nach der Entgelttabelle des TVöD-VKA, gültig ab dem 1. Mai 2026. In Stufe 1 liegen zwischen E13 und E14 grob 400 Euro im Monat.
| Stufe | Entgeltgruppe 13 | Entgeltgruppe 14 |
|---|---|---|
| Stufe 1 | 4.901,11 € | 5.298,27 € |
| Stufe 2 | 5.279,32 € | 5.643,35 € |
| Stufe 3 | 5.709,87 € | 6.094,01 € |
| Stufe 4 | 6.177,31 € | 6.594,12 € |
| Stufe 5 | 6.727,38 € | 7.151,57 € |
| Stufe 6 | 7.025,87 € | 7.551,78 € |
Welche Weiterbildungsstätten nach TVöD zahlen
Die Tabelle gilt, wenn dein Arbeitgeber an den TVöD gebunden ist (tarifgebunden heißt, dass ein Tarifvertrag wie der TVöD für dein Arbeitsverhältnis gilt), und bei einem erheblichen Teil der anerkannten Weiterbildungsstätten richtet sich das Gehalt nach einem anderen Tarif oder wird frei vereinbart.
- Kommunale und öffentliche Kliniken
- Hier gilt meist der TVöD, und dann greift die Tabelle direkt. Bei Landeseinrichtungen gilt teilweise der TV-L mit eigenen Tabellen.
- Kirchliche Träger
- Caritas und Diakonie haben eigene Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR), die sich am TVöD orientieren und im Detail davon abweichen.
- Private Klinikkonzerne
- Sie haben eigene Haustarife oder sind tarifungebunden, und die Spannbreite ist groß.
- Praxen, MVZ und Ambulanzen
- Das Gehalt wird in der Regel frei verhandelt.
Im Verzeichnis siehst du am Versorgungsbereich, mit welchem Typ Einrichtung du es zu tun hast, denn ambulant heißt eher Praxis oder Ambulanz und stationär eher Klinik. Daraus ergibt sich ein erster Anhaltspunkt, ob ein Tarif gilt.
Was die 40-Prozent-Regel im ambulanten Abschnitt bringt
Für Weiterbildungsambulanzen gibt es durch das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege eine Untergrenze, denn sie müssen mindestens 40 Prozent der Vergütung, die sie von den Krankenkassen für deine Behandlungen bekommen, an dich weitergeben. Nach unserem Kenntnisstand wurde das 2025 beschlossen und gilt seit 2026, die verlinkten Quellen nennen dafür allerdings keine Termine.
Die Untergrenze gilt für Weiterbildungsambulanzen, und in Praxen, MVZ und Kliniken richtet sich die Vergütung nach Tarif oder Arbeitsvertrag. Für Supervision, Theorie und Selbsterfahrung sieht das Gesetz keine Finanzierung vor.
BPtK-Präsidentin Andrea Benecke würdigte die gesetzliche Verankerung auf dem 47. Deutschen Psychotherapeutentag im November 2025 und sagte, die gesetzliche Regelung reiche „bei Weitem nicht aus“. Zu den Gehaltszuschüssen, mit denen einzelne Kassenärztliche Vereinigungen (Hamburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen) die Weiterbildung fördern, sagte sie, sie seien sehr gut und „ein Tropfen auf den heißen Stein“.
Ich halte es für unfair, dass die Finanzierung der Weiterbildung auch mit dieser Regel nur in einem Teilbereich gesetzlich geregelt ist, und ich sehe darin einen der Gründe, warum es zu wenige Weiterbildungsplätze gibt. Wie viel dir von deinem Gehalt bleibt, hängt deshalb auch von den Kosten der Weiterbildung ab.
Welche Fragen du im Bewerbungsgespräch stellen solltest
Tarifbindung, Entgeltgruppe und Stufe lassen sich schon im ersten Gespräch klären, und wonach du bezahlt wirst, solltest du vor der Unterschrift wissen, oder?
- Tarifbindung und Tarif erfragen, denn ob TVöD, TV-L, AVR oder Haustarif gilt, wirkt sich direkt auf das Gehalt aus.
- Entgeltgruppe und Stufe beide erfragen, weil auch die Stufe das Gehalt deutlich beeinflusst.
- Berufserfahrung ansprechen und fragen, ob sie auf die Stufe angerechnet wird, denn Praktika, Werkstudentenzeit oder eine frühere Anstellung können zählen und eine höhere Stufe rechtfertigen.
- Theorie, Supervision und Selbsterfahrung ansprechen und fragen, wer sie trägt, denn wenn die Stätte diese Kosten übernimmt, bleibt dir bei einem nominell niedrigeren Gehalt oft mehr übrig.
- Freistellung für Theorieblöcke klären, also ob du dafür bezahlt freigestellt wirst oder Urlaub nehmen musst, was mehrere Wochen pro Jahr ausmachen kann.