Warum die Suche so unübersichtlich ist
Die Psychotherapie-Weiterbildung ist nach der Reform ein Anstellungsverhältnis: Du bist approbiert, arbeitest als Psychotherapeut:in in Weiterbildung (PiW) und wirst dabei weitergebildet. Formal ist das ein normaler Job. Praktisch gibt es aber nicht die eine Seite, auf der diese Jobs stehen.
Der Grund liegt in der Zuständigkeit. Weiterbildung regeln die Landespsychotherapeutenkammern, jede mit einer eigenen Weiterbildungsordnung. Jede Kammer erkennt eigenständig Weiterbildungsstätten an und veröffentlicht dazu ein Verzeichnis. Sechzehn Kammern bedeuten sechzehn Ordnungen, sechzehn Verzeichnisse und sechzehn Darstellungsformen: mal eine durchsuchbare HTML-Seite, mal ein PDF mit mehreren hundert Zeilen, mal eine Excel-Datei. Vergleichbar ist das im Ausgangszustand nicht.
Schritt 1: Verfahren und Gebiet festlegen
Bevor du suchst, brauchst du zwei Entscheidungen, weil sie den Kreis der infrage kommenden Stätten drastisch verkleinern.
- Verfahren
- Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Analytische Psychotherapie oder Systemische Therapie. Eine Stätte ist immer nur für bestimmte Verfahren befugt.
- Gebiet
- Erwachsene oder Kinder und Jugendliche. Auch das ist an der Befugnis festgemacht, nicht frei wählbar. Die Neuropsychologische Psychotherapie wird als eigenes Gebiet geführt.
Wenn du dir beim Verfahren noch nicht sicher bist, lohnt sich der Blick auf die regionale Verfügbarkeit, bevor du dich festlegst. Mehr dazu im Text Welches Verfahren soll ich wählen?
Schritt 2: Die anerkannten Stätten in deiner Region auflisten
Jetzt geht es darum, überhaupt erst einmal zu sehen, was es gibt. Drei Wege führen dahin:
- Direkt bei der Kammer: Jede Landeskammer veröffentlicht ihr Verzeichnis. Das ist die amtliche Quelle, aber du musst pro Bundesland einzeln suchen und die Formate unterscheiden sich stark.
- Gebündelt über dieses Verzeichnis: Auf pt-weiterbildung.de/search liegen alle 16 Kammerlisten in einer Tabelle und auf einer Karte, filterbar nach Bundesland, Verfahren, Gebiet und Versorgungsbereich. Die Daten werden täglich automatisch aus den Kammerquellen gezogen, jeder Eintrag verlinkt auf sein Original.
- Über Fachgesellschaften und Institute: Vor allem in der Analytischen und Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie sind Institute organisiert und führen eigene Listen von Kooperationspartnern.
Schritt 3: Herausfinden, wo tatsächlich Plätze frei sind
Das ist der Teil, den kein Verzeichnis von selbst beantwortet. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:
- Website der Stätte prüfen. Größere Kliniken und Ambulanzen schreiben PiW-Stellen regulär in ihrem Karriereportal aus. Im Verzeichnis ist die Website, wo bekannt, direkt hinterlegt.
- Initiativ anfragen. Viele Plätze werden nie öffentlich ausgeschrieben, sondern über Nachfrage besetzt. Eine kurze, konkrete Mail an die weiterbildungsbefugte Person ist völlig üblich. Nenne Verfahren, Gebiet, deinen voraussichtlichen Approbationszeitpunkt und den gewünschten Beginn.
- Auf Bewegung reagieren. Neue Stätten kommen laufend dazu, weil Kammern ihre Verzeichnisse fortlaufend erweitern. Wer eine Benachrichtigung für sein Bundesland einrichtet, bekommt neue Einträge per Mail, statt jede Woche selbst nachzusehen.
Woran Bewerbungen oft scheitern
- Zu spät angefangen. Zwischen erster Anfrage und Vertragsbeginn liegen häufig Monate.
- Nur auf ausgeschriebene Stellen geschaut. Der größere Teil des Angebots ist nicht ausgeschrieben.
- Zu eng gesucht. Eine Stätte im Nachbarlandkreis oder ein anderer Versorgungsbereich kann den Unterschied machen. Welche Abschnitte du ohnehin brauchst, steht in Ambulant, stationär, institutionell.
- Anerkennung nicht geprüft. Eine Einrichtung, die inhaltlich perfekt passt, aber nicht befugt ist, bringt dich in der Weiterbildung nicht weiter. Wie du das prüfst, steht in Woran erkenne ich eine anerkannte Weiterbildungsstätte?
Kurz zusammengefasst
Verfahren und Gebiet festlegen, die anerkannten Stätten in der gewünschten Region auflisten, dann gezielt und früh anfragen. Der Engpass ist selten die Information darüber, welche Stätten existieren, sondern die Frage, wo gerade ein Platz frei wird. Ein gebündeltes, täglich aktualisiertes Verzeichnis und eine Benachrichtigung bei neuen Einträgen nehmen den mühsamsten Teil dieser Suche ab.