Ein Beruf, zwei Gebiete
Das alte System kannte zwei getrennte Berufe mit getrennten Ausbildungen: Psychologische Psychotherapeut:innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen. Das neue System kennt einen Beruf mit einer gemeinsamen Approbation und verlagert die Spezialisierung in die Weiterbildung: Dort entscheidest du dich für das Gebiet Psychotherapie für Erwachsene oder das Gebiet Psychotherapie für Kinder und Jugendliche und schließt als Fachpsychotherapeut:in für dieses Gebiet ab.
Beide Gebiete sind gleich aufgebaut: 60 Monate Regelweiterbildungszeit in Vollzeit, Abschnitte in ambulanter, stationärer und institutioneller Versorgung, dazu Theorie, Supervision und Selbsterfahrung. Den Rahmen beschreibt der Artikel Dauer und Ablauf der Weiterbildung.
Was die Wahl praktisch bedeutet
Weiterbildungsbefugnisse werden je Gebiet erteilt. Eine Klinik kann für Erwachsene befugt sein, für Kinder und Jugendliche aber nicht, und umgekehrt. Zusammen mit dem Verfahren definiert das Gebiet deshalb deinen Suchraum: Nur Stätten, die für deine Kombination aus Gebiet und Verfahren befugt sind, bringen dir anrechenbare Zeit.
Dazu kommt die Altersabgrenzung der späteren Tätigkeit: Das Erwachsenen-Gebiet beginnt bei 18, das Kinder-und-Jugendlichen-Gebiet reicht in der Regel bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres. Die Überschneidung bei den jungen Erwachsenen ist gewollt, die genauen Grenzen zieht die Weiterbildungsordnung deiner Kammer.
Woran du merkst, welches Gebiet passt
- Mit wem willst du im Raum sitzen? Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie heißt Spiel- und Familiensetting, Elternarbeit und Kooperation mit Schule und Jugendhilfe. Erwachsenenarbeit heißt längere Einzelgespräche und ein anderes Störungsspektrum. Praktika und Praxissemester sind hier der ehrlichste Indikator.
- Wie wichtig ist dir das Umfeld der Behandlung? Im Kinder-und-Jugendlichen-Gebiet behandelst du nie nur die Patient:in, sondern arbeitest immer mit dem System drumherum. Wer genau das reizvoll findet, ist dort richtig, wer es als Reibungsverlust erlebt, eher nicht.
- Wie mobil bist du? Je dünner das Stättennetz, desto größer der nötige Radius. Das spricht nicht gegen das Kinder-und-Jugendlichen-Gebiet, aber es gehört in die Planung, gegebenenfalls zusammen mit dem Artikel Weiterbildung in einem anderen Bundesland.
- Wo willst du später arbeiten? Die Versorgung von Kindern und Jugendlichen gilt vielerorts als besonders knapp, entsprechend gefragt sind Fachpsychotherapeut:innen in diesem Gebiet. Verlässliche Aussagen dazu sind aber regional und sollten regional geprüft werden.
Gebiet und Verfahren zusammen denken
Die Gebietswahl ist die eine Hälfte der Festlegung, das Verfahren die andere. Beides zusammen bestimmt, wie viele Stätten für dich übrig bleiben, und ein seltenes Verfahren im knapperen Gebiet multipliziert die Engpässe. Prüfe die Kombination, nicht die Einzelfilter, bevor du dich festlegst. Die Entscheidungshilfe zum Verfahren steht in Welches Verfahren soll ich wählen?
Kurz zusammengefasst
Die Approbation lässt dir alle Türen offen, die Weiterbildung nicht: Mit dem Gebiet legst du fest, welche Patientengruppen, welche Stätten und welcher Abschluss zu dir gehören. Entscheide inhaltlich, aber prüfe vorher die Verfügbarkeit deiner Kombination aus Gebiet und Verfahren im Verzeichnis der anerkannten Weiterbildungsstätten, und lass dich per Alert benachrichtigen, wenn in deinem Gebiet neue Stellen dazukommen.