Welche Stätten ausschreiben und welche ihre Plätze direkt besetzen
Kliniken schreiben Weiterbildungsstellen zunehmend aus. Ambulanzen, Praxen und kleinere Einrichtungen besetzen ihre Plätze häufig über direkte Anfragen (belastbare Zahlen gibt es dazu nicht, du solltest das also als Einschätzung lesen). Ich vermute deshalb, dass du bei einer Initiativanfrage oft nur mit wenigen anderen konkurrierst.
Praktisch heißt das, dass du dir zuerst über das Verzeichnis die anerkannten Stätten in deinem Verfahren, Gebiet und Umkreis zusammenstellst, dich auf ausgeschriebene Stellen regulär bewirbst, alle übrigen Stätten initiativ anschreibst und dir von einem Alert neue Einträge melden lässt. Wie du zu dieser Liste kommst, beschreibt Wie finde ich eine Weiterbildungsstelle? ausführlich.
Welche Unterlagen Weiterbildungsstätten erwarten
Für den ersten Kontakt genügen in der Regel die folgenden Unterlagen.
- Das Anschreiben umfasst eine Seite und bezieht sich konkret auf die Stätte (dazu unten mehr).
- Der Lebenslauf ist tabellarisch und nennt Studienschwerpunkte, Abschlussarbeiten, Praktika und die berufspraktischen Einsätze aus dem Studium.
- Zeugnisse sind das Masterzeugnis und gegebenenfalls das Bachelorzeugnis.
- Der Approbationsnachweis ist die Urkunde oder, solange sie noch fehlt, eine kurze Angabe zum Stand (Prüfungstermin, Antrag gestellt).
Wie die Initiativanfrage aussieht und an wen sie geht
Die Initiativanfrage ist eine kurze Mail, die fragt, ob es bei der Stätte aktuell oder absehbar eine Weiterbildungsstelle nach dem neuen Recht gibt. Sie sagt erstens, wer du bist (Approbation oder erwarteter Termin, Hochschule), zweitens, was du suchst (Verfahren, Gebiet, gewünschter Versorgungsbereich), und drittens, ab wann du verfügbar bist. Dazu kommt der Lebenslauf im Anhang, mit dem Angebot, weitere Unterlagen nachzureichen.
Adressat ist idealerweise die weiterbildungsbefugte Person, die viele Kammerverzeichnisse namentlich nennen, und sonst das Sekretariat der Fachabteilung. Ob eine Stätte überhaupt anerkannt und befugt ist, prüfst du vor der Anfrage, und wie das geht, steht in Woran erkenne ich eine anerkannte Weiterbildungsstätte?
Wie ein Anschreiben ohne Berufserfahrung aussehen kann
Die Weiterbildungsstelle ist der Berufseinstieg, oder? Ich glaube deshalb, dass ein Anschreiben am besten wirkt, wenn es deinen tatsächlichen Stand beschreibt. Eine Seite lässt sich in drei Teile gliedern. Erstens erklärst du, warum du dich gerade bei dieser Stätte bewirbst, mit einem konkreten Bezug zu ihr (Schwerpunkt der Abteilung, Klientel, Verfahren), und dieses erkennbare Interesse macht das Anschreiben meiner Meinung nach überzeugend. Zweitens nennst du, was du mitbringst, also Studienschwerpunkte, relevante Praktika und Einsätze und was du dort tatsächlich gemacht hast. Und drittens sagst du, wo du hinwillst, mit Verfahren und Gebiet, Starttermin und dem Stand der Approbation.
Kann ich mich schon vor der Approbationsurkunde bewerben?
Ja, und das ist üblich, denn Kliniken und Ambulanzen planen Stellen oft Monate im Voraus, und das Approbationsverfahren nach der Prüfung kostet ebenfalls Zeit. Man bewirbt sich deshalb im letzten Mastersemester oder direkt nach der Prüfung, nennt den Stand der Approbation, reicht die Urkunde nach und koppelt den Vertragsbeginn an sie, denn die Weiterbildung selbst beginnt erst mit der Approbation.
Welche Fragen du im Gespräch stellen kannst
Im Gespräch kannst du auch selbst Fragen stellen, und vor einer Zusage würde ich die folgenden Punkte klären.
- Befugnis ist die erste Frage, nämlich für welches Verfahren, welches Gebiet und welchen Umfang die Stätte befugt ist und wie viele Monate deiner Weiterbildung du hier tatsächlich absolvieren kannst.
- Supervision und Theorie sollten so organisiert sein, dass du weißt, wie die Kooperation mit einem Weiterbildungsinstitut läuft und wer das koordiniert, und eine organisatorische Unterstützung durch die Stätte gehört dazu.
- Kosten betreffen die Frage, ob sich die Stätte an Theorie, Supervision und Selbsterfahrung beteiligt (Details dazu in Was kostet die Weiterbildung?).
- Freistellung wirft die Frage auf, ob es bezahlte Freistellung für Theorieblöcke gibt oder ob sie vom Urlaub abgeht.
- Vergütung solltest du konkret erfragen, also Eingruppierung und Stellenumfang.
Woran du vor der Vertragsunterschrift stutzig werden solltest
Stutzig werden würde ich in den folgenden Fällen.
- Die Stätte taucht im Kammerverzeichnis nicht auf oder kann die Befugnis nicht konkret benennen.
- Niemand kann sagen, wer die weiterbildungsbefugte Person ist.
- Zusagen zu Freistellung oder Kostenbeteiligung bleiben mündlich.
Solche Punkte sollten vor der Unterschrift geklärt sein, im Zweifel mit einem Anruf bei deiner Landeskammer, denn was rechtlich zählt, regelt die Weiterbildungsordnung deiner Kammer.
Wie du mit Absagen umgehst und dranbleibst
Absagen bedeuten in dieser Phase meist, dass gerade keine Kapazität frei ist oder der Zeitpunkt nicht passt, und ja, als Psychologin weiß ich, dass man Absagen gern internal, stabil und global attribuiert (also als „liegt an mir, immer und überall“), sodass sich der Blick auf die Kapazitätslage als wahrscheinlichere Erklärung lohnt. Frag nach, ob du dich später wieder melden darfst, setz einen Alert, damit neue Einträge in deinem Filter automatisch bei dir ankommen, und prüfe über die Bundesland-Übersicht, ob ein größerer Radius realistisch ist. Wenn sich über Monate nichts ergibt, beschreibt Keine Weiterbildungsstelle gefunden, wie du die Suche erweitern kannst.