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Was regelt die Muster-Weiterbildungsordnung für die Weiterbildung im Gebiet Erwachsene?

Aktualisiert am 09.10.2026 · pt-weiterbildung.de

Die Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO) der Bundespsychotherapeutenkammer legt für das Gebiet Erwachsene unter anderem die Mindestdauer von 60 Monaten in Vollzeit, die Aufteilung auf ambulante und (teil-)stationäre Versorgung und die Mindestwerte für Theorie, Selbsterfahrung und Supervision fest, wobei sie zuletzt auf dem 48. Deutschen Psychotherapeutentag im Mai 2026 geändert wurde. Sie dient den Landeskammern als Vorlage für ihre eigenen Weiterbildungsordnungen, und weil die Kammern das Muster weitgehend übernehmen und in Einzelheiten abweichen können, ist für dich immer die Weiterbildungsordnung deiner Kammer verbindlich. Die Antworten hier beziehen sich auf das Gebiet Psychotherapie für Erwachsene und nennen jeweils den Paragrafen im Muster.

Wie die Weiterbildung aufgebaut ist und wie lange sie dauert

Wie ist die Gebietsweiterbildung aufgebaut?

Die Weiterbildung im Gebiet Erwachsene dauert mindestens 60 Monate in Vollzeit, und wenn du sie dir wie ein Haus vorstellst, sind die mindestens 24 Monate in der ambulanten Versorgung und die mindestens 24 Monate in Einrichtungen der (teil-)stationären Versorgung (etwa Psychiatrie, Psychosomatik oder Suchtrehabilitation) die beiden tragenden Wände. Weil diese Pflichtabschnitte zusammen 48 Monate umfassen, bleibt ein Jahr als Raum, den du selbst einrichten kannst, sei es ambulant oder stationär, und bis zu 12 Monate dürfen auch im institutionellen Bereich oder in einem anderen Gebiet liegen. In Psychiatrischen oder Psychosomatischen Institutsambulanzen werden, abhängig vom möglichen Kompetenzerwerb, höchstens 6 Monate anerkannt. Was die Versorgungsbereiche unterscheidet, steht in Ambulant, stationär, institutionell.

Kann ich das flexible Jahr in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie verbringen?

Ja, und zwar als Zeit in einem anderen Gebiet, die für die Weiterbildungszeit zählt. Die Richtzahlen im Gebiet Erwachsene, also Fälle und Behandlungsstunden, erfüllst du dann in den übrigen 48 Monaten, was auch bedeutet, dass dir für den ambulanten und den stationären Abschnitt jeweils 24 Monate bleiben, also die Mindestzeit und damit kein Puffer.

Eine kinder- und jugendpsychiatrische Station rechnet zur stationären Versorgung, und zum institutionellen Bereich gehören etwa Jugendhilfe, Suchthilfe, Justizvollzug oder psychosoziale Fachberatungsstellen (§ 2 Abs. 5).

Muss die Zeit im anderen Gebiet 12 Monate am Stück umfassen?

Das Muster nennt für das andere Gebiet die Obergrenze „bis zu 12 Monate“ und lässt die Mindestdauer offen, weshalb kürzere Abschnitte denkbar sind. Für einen Abschnitt von 6 Monaten spricht auch § 16 Abs. 2, nach dem für jeden Weiterbildungsabschnitt von mindestens sechs Monaten ein Zwischenzeugnis verlangt werden kann. Lass dir einen kürzeren Abschnitt am besten vorab von deiner Kammer bestätigen.

Verlängert Teilzeit die Weiterbildung?

Parallele Weiterbildung in zwei Versorgungsbereichen ist zulässig (§ 8 Abs. 3 Nr. 4), sofern die hauptberufliche Tätigkeit an einer Weiterbildungsstätte gewährleistet ist und die Vorgaben der Abschnitte B, C und D es zulassen, wobei eine Teilzeitstelle im stationären und institutionellen Bereich mindestens die Hälfte und im ambulanten Bereich mindestens ein Viertel der üblichen Wochenstunden einer Vollzeitstelle umfassen muss und der Gesamtumfang einer Vollzeitweiterbildung entsprechen muss (§ 9 Abs. 3). Eine halbe Stelle stationär und eine halbe Stelle ambulant ergeben deshalb zusammen Vollzeit, und die Weiterbildung dauert dann weiterhin fünf Jahre.

Arbeitest du nacheinander in Teilzeitstellen, verlängert sich die Dauer entsprechend. Dass Monate mit je einer halben Stelle in beiden Bereichen jeweils zur Hälfte angerechnet werden, ist eine naheliegende Auslegung des Musters. Mehr zu Teilzeit und Elternzeit steht in Weiterbildung in Teilzeit und mit Kind.

Zählen Zeiten an einer Stätte, die noch nicht zugelassen ist?

Weiterbildungszeit entsteht grundsätzlich an zugelassenen Weiterbildungsstätten unter verantwortlicher Leitung befugter PsychotherapeutInnen (§ 8 Abs. 3 Nr. 2, § 13). Ob eine spätere Zulassung auf frühere Zeiten zurückwirkt, entscheidet die Praxis der jeweiligen Kammer (Beispiele stehen weiter unten), und ob eine Stätte zugelassen ist, kannst du im Verzeichnis der anerkannten Weiterbildungsstätten nachsehen.

Was gilt bei Unterbrechungen?

Eine Anrechnung von Unterbrechungen durch Krankheit, Schwangerschaft, Elternzeit, Sonderurlaub oder Ähnliches auf die Weiterbildungszeit ist grundsätzlich nur möglich, wenn sie weniger als sechs Wochen innerhalb von 12 Monaten Weiterbildungszeit dauern (§ 9 Abs. 5).

Was Gebiet, Bereich und Verfahren bedeuten und wer die Weiterbildung leitet

Was ist der Unterschied zwischen Gebiet und Bereich?

Die Gebietsweiterbildung führt zur Anerkennung als FachpsychotherapeutIn und umfasst mindestens ein Psychotherapieverfahren, in dem du dich vertiefst (§ 4). Bereichsweiterbildungen decken weitere Verfahren, spezialisierte Methoden oder besondere Anwendungsbereiche ab (§ 5) und können berufsbegleitend erfolgen (§ 9 Abs. 4). Zur Prüfung im Bereich wirst du zugelassen, sobald du im Gebiet anerkannt bist (§ 17 Abs. 3). Im alten System war die Ausbildung in tiefenpsychologisch fundierter und analytischer Psychotherapie verklammert. Im Muster wird ein Verfahren im Gebiet vertieft, und weitere Verfahren kommen als Bereich hinzu.

Lieber analytische Psychotherapie im Gebiet oder tiefenpsychologisch fundierte im Gebiet und die analytische später?

Mit analytischer Psychotherapie (AP) als vertieftem Verfahren brauchst du unter anderem zwei Behandlungen mit mindestens 250 Stunden sowie Einzel- und Gruppenselbsterfahrung (Abschnitt C 1.2), deren Umfang weiter unten steht. Mit tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie (TP) im Gebiet und AP anschließend als Bereich ist die Gebietszeit weniger belastet, und der Bereich dauert mindestens 18 Monate und verlangt aufbauend auf TP unter anderem 120 Einheiten Theorie und 400 Stunden Langzeitbehandlung in zwei Fällen (Abschnitt D 4.2).

Willst du langfristig vor allem analytisch arbeiten? Dann kommst du mit AP im Gebiet in der Regel früher zur Anerkennung in diesem Verfahren. Hinweise zur Verfahrenswahl stehen in Welches Verfahren soll ich wählen?

Muss das Verfahren im Arbeitsvertrag stehen?

Nach dem Muster wird das Verfahren im Logbuch und im Zeugnis dokumentiert. Es zusätzlich im Vertrag festzuhalten ist sinnvoll, weil die Stätte dir dann verfahrensspezifische Supervision, passende Behandlungsfälle und die Freistellung für die Theorie schuldet.

Kann mein ärztlicher Chef meine Weiterbildung leiten?

Nein, denn zur Weiterbildung befugt werden Kammermitglieder, also FachpsychotherapeutInnen sowie Psychologische PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen mit mehrjähriger Erfahrung im Gebiet (§ 11 Abs. 2 und 3). Ob ÄrztInnen als SupervisorInnen oder SelbsterfahrungsleiterInnen hinzugezogen werden können, entscheidet die Kammer, denn sie muss jede solche Hinzuziehung genehmigen (§ 11 Abs. 6).

Was für die Theorie gilt

Wie viele Theorie-Einheiten sind vorgeschrieben?

Vorgeschrieben sind mindestens 500 Einheiten zu je 45 Minuten, von denen mindestens 350 Einheiten auf das vertiefte Verfahren entfallen und darin wiederum mindestens 48 auf Gruppenpsychotherapie. Die übrigen Einheiten sind verfahrensübergreifend, und auf fünf Jahre verteilt ergeben die 500 Einheiten grob 100 pro Jahr.

Brauche ich für die Theorie eine Stelle an einem Institut?

Nein, denn Theorie, Selbsterfahrung und Supervision gehören ja zur hauptberuflichen Tätigkeit (§ 2 Abs. 1), und die Weiterbildungsstätte kann sie über einen Kooperationsvertrag mit einem Weiterbildungsinstitut einbinden. Du schließt dann mit den Kooperationspartnern einen Weiterbildungsvertrag (§ 14). Eine Stelle am Institut brauchst du, sobald du dort ambulant behandelst.

Ist Theorie am Samstag Arbeitszeit?

Ob Theorie am Samstag arbeitsrechtlich als Arbeitszeit zählt, regelt dein Arbeitsvertrag, und deshalb solltest du schriftlich festhalten, ob du dafür Freizeitausgleich oder eine Vergütung bekommst.

Was für die Selbsterfahrung gilt

Wie viel Selbsterfahrung verlangt die analytische Psychotherapie?

Verlangt werden mindestens 250 Einheiten Einzel- und 80 Einheiten Gruppenselbsterfahrung, und über die Frequenz enthält das Muster keine Angabe. Psychoanalytische Fachgesellschaften wie die DGPT stellen für die Abschlüsse ihrer Institute eigene, höhere Anforderungen an die Lehranalyse, die zusätzlich gelten. Für die Anerkennung als FachpsychotherapeutIn genügen die Werte der Weiterbildungsordnung. Die Werte für die anderen Verfahren stehen in Theorie, Selbsterfahrung und Supervision.

Wann muss die Selbsterfahrung beginnen?

Sie soll zu Beginn der Weiterbildung aufgenommen werden, die Weiterbildung begleiten und bei einem Wechsel der Weiterbildungsstätte weiterlaufen können. Beginnt sie einige Monate später, ist das vertretbar und weicht vom vorgesehenen Regelfall ab.

Wer darf SelbsterfahrungsleiterIn oder LehranalytikerIn sein?

Die Person muss approbiert sein, nach der Anerkennung einer Gebiets- oder Bereichsweiterbildung (oder als Psychologische PsychotherapeutIn beziehungsweise Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutIn) mindestens drei Jahre im entsprechenden Gebiet oder Bereich gearbeitet haben und fachlich wie persönlich geeignet sein, und zwischen euch darf kein dienstliches Abhängigkeitsverhältnis bestehen. Die Hinzuziehung wird bei der Kammer beantragt (§ 11 Abs. 6), weshalb du das am besten vor der ersten Stunde klärst. Wer deine Selbsterfahrung geleitet hat, darf dich später nicht prüfen (§ 18 Abs. 3).

Wer bezahlt die Selbsterfahrung?

Dazu enthält die Weiterbildungsordnung keine Regelung, weshalb du die Kosten mit deinem Arbeitgeber klären und das Ergebnis im Vertrag festhalten solltest. Manche Institute erstatten die Kosten bis zur Höhe ihrer eigenen Stundensätze. Mehr dazu steht in Was kostet die Psychotherapie-Weiterbildung?

Was für Supervision und Richtzahlen gilt

Können Lehranalyse und Supervision bei derselben Person liegen?

Das Muster enthält dazu kein ausdrückliches Verbot. In der Praxis übernehmen zwei verschiedene Personen Lehranalyse und Supervision, wegen des Rollenkonflikts und weil die Institute es so vorgeben.

Muss die Supervisorin oder der Supervisor dasselbe Verfahren haben?

Für die verfahrensspezifischen Richtzahlen schon, denn dafür zählt Supervision im vertieften Verfahren. Supervision durch jemanden aus einem anderen Verfahren, etwa Verhaltenstherapie bei vertiefter TP, deckt die verfahrensübergreifenden Anteile ab.

Ab wann und in welchem Umfang gibt es Supervision?

Die Zeit an der Stätte wird als Weiterbildungszeit angerechnet, und für die Richtzahlen zählen Behandlungsfälle unter Supervision, weshalb die Supervision mit dem ersten eigenen Fall beginnen sollte, auch im stationären Abschnitt.

Für den ambulanten Teil sieht das Muster mindestens 150 Supervisionseinheiten vor, davon mindestens 50 Stunden als Einzelsupervision, im Verhältnis von in der Regel 1:4 bis 1:8 zu den Behandlungsstunden, wobei Gruppensupervision mit höchstens sechs Teilnehmenden anrechenbar ist. Im (teil-)stationären Teil kommt Supervision hinzu, zu der auch Balint-Gruppen und interaktionsbezogene Fallarbeit zählen.

Welche Richtzahlen gelten im Gebiet Erwachsene?

Über die gesamte Weiterbildung verlangt das Muster mindestens diese Richtzahlen.

Für den ambulanten und den stationären Abschnitt gelten zusätzlich eigene Mindestwerte.

Was im Vertrag und bei der Vergütung zu beachten ist

Was bedeutet „angemessen vergütet“?

Die Weiterbildung erfolgt im Rahmen angemessen vergüteter Berufstätigkeit (§ 8 Abs. 3 Nr. 1), und die Höhe lässt das Muster offen. ver.di und Berufsverbände fordern eine Eingruppierung nach TVöD E14, und E13 entspricht nach unserem Kenntnisstand dem Einstieg für Beschäftigte mit Masterabschluss. Einzelheiten stehen in Was verdient man in der Psychotherapie-Weiterbildung?

Kann ich meine bisherige Stelle früher verlassen, um die Weiterbildung zu beginnen?

Ja, über einen Aufhebungsvertrag mit deinem Arbeitgeber, der schriftlich geschlossen werden muss (§ 623 BGB), und unterschreiben solltest du den neuen Vertrag, bevor du den alten auflöst.

Was von Kammer zu Kammer abweicht

Die bayerische Ordnung etwa stimmt nach unserem Kenntnisstand in den hier behandelten Paragrafen weitgehend mit dem Muster überein, und Unterschiede zeigen sich vor allem bei der rückwirkenden Anrechnung von Zeiten und in der Nummerierung.

Nach unserem Kenntnisstand schließt die Kammer in Nordrhein-Westfalen aus, dass Zeiten an einer erst nachträglich zugelassenen Stätte rückwirkend zählen. Die bayerische Kammer hat das nach unserem Kenntnisstand bisher offengelassen, und deshalb solltest du vor Antritt einer solchen Stelle schriftlich bei deiner Kammer anfragen.

Die Kammern übernehmen die Nummerierung des Musters weitgehend. Der Ausschluss von SelbsterfahrungsleiterInnen als PrüferInnen ihrer KandidatInnen steht im Muster in § 18 Abs. 3. In der bayerischen Ordnung steht er in § 20 Abs. 3, und die Paragrafen in diesem Artikel beziehen sich auf das Muster.

Die Links zu den Kammerquellen findest du in der Übersicht nach Bundesland, und weil sich diese Informationen über zwölf Kammer-Websites verteilen, war das für mich der Anlass, diese Seite aufzubauen.

Häufige Fragen dazu

Gilt die Muster-Weiterbildungsordnung direkt in meinem Bundesland?

Nein, denn rechtlich verbindlich ist die Weiterbildungsordnung, die deine Landeskammer auf Grundlage der Vorlage der Bundespsychotherapeutenkammer beschlossen hat. Die meisten Regelungen stimmen inhaltlich überein, und Abweichungen gibt es vor allem bei Verfahrensfragen und in der Nummerierung der Paragrafen.

Wie lange dauert die Weiterbildung im Gebiet Psychotherapie für Erwachsene?

Die Weiterbildung dauert mindestens 60 Monate in Vollzeit, davon mindestens 24 Monate ambulant und mindestens 24 Monate (teil-)stationär, und die übrigen 12 Monate dürfen auch im institutionellen Bereich oder in einem anderen Gebiet liegen.

Verlängert eine Weiterbildung in Teilzeit die Gesamtdauer?

Zwei Teilzeitstellen in verschiedenen Versorgungsbereichen dürfen gleichzeitig laufen, und ergeben sie zusammen eine Vollzeitstelle, bleibt es bei fünf Jahren. Bei einer einzelnen Teilzeitstelle verlängert sich die Weiterbildung entsprechend.

Kann eine Ärztin oder ein Arzt meine Weiterbildung leiten?

Nein, denn zur Weiterbildung befugt werden Kammermitglieder der Psychotherapeutenkammer mit mehrjähriger Erfahrung im Gebiet (§ 11 Abs. 2 und 3 MWBO).

Kurze Antworten auf die Grundfragen zur Weiterbildung stehen gesammelt unter Häufige Fragen.

Quellen und Stand

Stand Oktober 2026, nach der Muster-Weiterbildungsordnung in der Fassung des 48. Deutschen Psychotherapeutentags (Mai 2026) und ohne Gewähr, denn verbindlich sind die Weiterbildungsordnung deiner Landeskammer und deren Auskunft.

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